Shuntchirurgie | Marien Hospital Herne
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Klinik für Gefäßchirurgie

Shuntchirurgie

Für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenversagen ist die Dialyse eine lebensrettende Behandlung. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg und die Lebensqualität dieser Therapie ist ein zuverlässiger und dauerhafter Gefäßzugang. Die Shuntchirurgie ist das spezialisierte medizinische Fachgebiet, das sich der Schaffung und dem Erhalt dieser wichtigen „Lebensadern“ widmet. Sie bildet die Brücke zwischen der Notwendigkeit einer Blutwäsche und ihrer sicheren, wiederholten Durchführung.

Armbeuge mit einem Dialyseshunt, auch AV-Fistel genannt.

Armbeuge mit einem Dialyseshunt, auch AV-Fistel genannt. 

In Deutschland sind derzeit mehr als 63.000 Patienten auf eine regelmäßige Hämodialyse angewiesen, und die Tendenz ist steigend. Für jeden dieser Menschen ist ein funktionierender Shunt von zentraler Bedeutung. 

Was ist ein Dialyseshunt?

Ein Dialyseshunt, oft auch als arteriovenöse (AV-) Fistel bezeichnet, ist eine operativ geschaffene Kurzschlussverbindung zwischen einer Arterie und einer Vene, meist am Arm des Patienten. Dieser sogenannte Shunt ist notwendig, weil die natürlichen Venen dem hohen Blutfluss und den wiederholten Punktionen, die für eine effektive Dialyse erforderlich sind, nicht standhalten würden.

Durch die direkte Verbindung von Arterie und Vene wird arterielles, sauerstoffreiches Blut mit höherem Druck in die oberflächliche Vene am Arm umgeleitet. Dieser veränderte Blutfluss bewirkt, dass sich die Vene über mehrere Wochen hinweg aufdehnt und ihre Wand verdickt. Dieser Prozess, die sogenannte „Reifung“, macht die Vene robust genug, um sicher und wiederholt für die Dialysebehandlung punktiert zu werden. 

Die Shuntchirurgie gehört zu den zentralen Aufgaben der Klinik für Gefäßchirurgie im Marien Hospital Herne, die eng mit der Nephrologie und den Dialysebereichen des Hauses zusammenarbeitet.

Funktionsweise einer AV-Fistel: Durch die direkte Verbindung von Arterie und Vene wird der Blutfluss in der Vene erhöht. Dies führt zur 'Reifung' – die Vene dehnt sich aus und ihre Wand verdickt sich, wodurch sie für die Dialysepunktion robust genug wird.

Funktionsweise einer AV-Fistel: Durch die direkte Verbindung von Arterie und Vene wird der Blutfluss in der Vene erhöht. Dies führt zur 'Reifung' – die Vene dehnt sich aus und ihre Wand verdickt sich, wodurch sie für die Dialysepunktion robust genug wird.

Ablauf der Shuntanlage

Die Anlage eines Dialyseshunts ist ein präziser chirurgischer Eingriff, der sorgfältige Planung erfordert. Der Prozess beginnt lange vor der eigentlichen Operation in einer spezialisierten Sprechstunde.

1. Diagnostik und Planung:
Bevor eine Operation stattfindet, ist eine weiterführende Diagnostik unerlässlich. Mittels Ultraschalls werden die Blutgefäße des Patienten genau untersucht, um geeignete Venen zu identifizieren. Kriterien hierfür sind ein ausreichender Durchmesser, ein gerader Verlauf und eine oberflächennahe Lage. Diese sorgfältige Untersuchung, oft "Venen-Mapping" genannt, ist entscheidend für den späteren Erfolg. Außerdem wird der Durchmesser und Zustand der Arterien beurteilt, denn auch hiervon ist eine erfolgreiche Shuntreifung abhängig. Anschließend werden die Befunde mit dem Patienten besprochen und die optimale Shunt-Lokalisation (Unterarm, Oberarm) festgelegt.

2. Der operative Eingriff: Die Operation wird in der Regel am Unter- oder Oberarm durchgeführt. Dabei wird über einen kleinen Hautschnitt die Verbindung (Anastomose) zwischen der ausgewählten Arterie und einer nahe gelegenen Vene hergestellt. 

3. Die Reifungsphase:
Nach der Operation muss der Shunt reifen. Dies dauert typischerweise vier bis sechs Wochen. In dieser Zeit passt sich die Vene an den erhöhten Blutfluss an. Regelmäßige Kontrollen stellen sicher, dass die Reifung korrekt verläuft, bevor der Shunt zum ersten Mal für die Dialyse genutzt wird.

Prothesenshunt: Alternative bei ungeeigneten Gefäßen

Nicht bei allen Patienten sind die körpereigenen Venen für die Anlage einer AV-Fistel geeignet. Dies kann bei voroperierten Patienten, Diabetikern oder nach langen Krankenhausaufenthalten der Fall sein. In solchen Situationen kann ein Prothesenshunt (Graft) eine hervorragende Alternative sein.

Dabei wird eine Kunststoffprothese unter die Haut implantiert, die eine Brücke zwischen einer Arterie und einer tiefer liegenden Vene schlägt. Der Vorteil eines Prothesenshunts ist die deutlich kürzere Reifezeit; er kann oft schon nach zwei bis drei Wochen genutzt werden. Allerdings ist seine Haltbarkeit im Vergleich zu einem Shunt aus körpereigenem Material tendenziell geringer und das Risiko für Infektionen oder Verschlüsse ist leicht erhöht. 

Dialysekatheter: Zugang in Akutsituationen

Wenn ein Patient sofort und unvorhergesehen auf eine Dialyse angewiesen ist, bleibt keine Zeit für die Anlage und Reifung eines Shunts. In diesen Akutsituationen oder als Überbrückung, bis ein permanenter Zugang funktionsfähig ist, wird ein zentraler Venenkatheter (z. B. Demers- oder Shaldon-Katheter) verwendet.

Dieser Katheter wird meist über eine Hals- oder Schlüsselbeinvene eingeführt, wobei seine Spitze bis kurz vor den rechten Vorhof des Herzens reicht. Er ermöglicht einen sofortigen Dialysezugang. 

Aufgrund des deutlich höheren Risikos für Infektionen und der Gefahr, dass zentrale Venen dauerhaft geschädigt werden, ist ein Katheter wenn möglich nur als temporäre Lösung anzusehen. Das primäre Ziel ist die zeitnahe Anlage eines permanenten Shunts. Bei manchen Menschen ist der Katheter jedoch die einzige Lösung und wird bei diesen dann lebenslang benutzt. 

Bedeutung der Shuntkontrolle

Ein einmal angelegter Shunt ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine wertvolle Ressource, die gepflegt und regelmäßig überwacht werden muss. Er ist die Lebensader für jeden Patienten, der auf die Dialyse angewiesen ist. Veränderungen des Schwirrens oder Klopfens, Schmerzen, kalte oder verfärbte Finger sowie Auffälligkeiten während der Dialyse können Hinweise auf eine Shuntdysfunktion sein. In diesem Fall ist schnelles Handeln nötig. 

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