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Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie

Akutes Nierenversagen

Bei einem akuten Nierenversagen kommt es innerhalb weniger Stunden oder Tage zu einer raschen Abnahme der Nierenfunktion. Die Ursachen eines akuten Nierenversagens sind vielfältig. Es kann sich um harmlose Dinge wie einen ausgeprägten Flüssigkeitsmangel bei einer schweren Durchfallerkrankung handeln. Es kann sich jedoch zum Beispiel auch um einen Zelluntergang im Bereich der Abflusseinheiten der Nierenkörperchen (akute Tubulusnekrose) oder akute entzündliche Erkrankungen (z. B. Glomerulonephritis) handeln. Auch einige Medikamente können akute Nierenschäden hervorrufen.

Akutes Nierenversagen – Symptome

Ein Nierenversagen kann über lange Zeit symptomlos bleiben. Erst wenn über 90 Prozent der Nierenfunktion verloren sind, muss ein Nierenersatzverfahren eingeleitet werden. Wenn die Nierenleistung derart gering ist, verspürt die Mehrheit der Betroffenen auch Symptome. Akutes Nierenversagen kann zu Wassereinlagerungen in den Beinen oder Luftnot führen. Ein Gefühl von Übelkeit, ein Hautjucken oder auch ganz einfach ein ausgeprägtes Gefühl von Abgeschlagenheit können Ausdruck des Nierenversagens sein.

Akutes Nierenversagen – Diagnose

Je rascher die Diagnose eines akuten Nierenversagens gestellt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung. Der Arzt nutzt in einem ersten Schritt eine Blut- und Urinuntersuchung sowie eine Ultraschalluntersuchung der Nieren.

Blutuntersuchung 
Zur Diagnose des akuten Nierenversagens wird im Blut der sogenannte Kreatininwert bestimmt. Kreatinin ist eine Substanz, die der Körper über die Nieren ausscheidet. Liegt eine deutlich reduzierte Nierenleistung vor, steigt die Konzentration des Kreatinins im Blut an. Über verschiedene Formeln kann nun über den Kreatininwert die Nierenentgiftungsleistung, die glomeruläre Filtrationsrate (GFR), errechnet werden. Anstelle der Abschätzung der Nierenleistung über eine Formel kann der Arzt die Nierenleistung messen, indem er die Kreatininkonzentration im 24-Stundensammelurin mit der Kreatininkonzentration im Blut ins Verhältnis setzt. Bei dieser Methode wird die sogenannte Kreatininclearance gemessen. Neben dem Kreatininwert misst der Nephrologe noch diverse andere Substanzen, die für die Unterscheidung verschiedener Nierenerkrankungen eine Rolle spielen. 

Urinuntersuchung 
Im Urin eines gesunden Menschen finden sich weder größere Mengen Eiweiß noch rote Blutkörperchen (Erythrozyten). Die einzelnen Nierenkörperchen, in denen der Urin entsteht, ähneln in ihrer Funktion einem Nudelsieb. Die Poren sind so eng, dass die Eiweiße und Erythrozyten – oder in unserem Bild die Spaghetti – zurückgehalten werden. Bei einer Entzündung der Nierenkörperchen wird das „Nudelsieb“ jedoch undicht. Der Arzt untersucht daher den Urin auf das Vorliegen von Eiweiß und Blut.

Ultraschall (Sonografie) 
Im Ultraschall ist erkennbar, ob ein Nierenversagen Folge einer Abflussbehinderung des Urins ist. Dies kommt beispielsweise bei einer ausgeprägt vergrößerten Prostata vor. Ferner kann der Arzt beurteilen, ob die Nieren verkleinert sind. Letzteres spricht für eine chronisch verlaufende Erkrankung, bei der die Niere schon eine irreversible narbige Schrumpfung durchgemacht hat. Auch die Gefäße der Niere lassen sich mittels der sogenannten farbkodierten Duplexsonographie darstellen. Der Ultraschall ist ein Verfahren, das Schallwellen analysiert. Es kommt ohne Röntgenstrahlen aus und ist daher völlig ungefährlich.

Nierenbiopsie 
Ist die Ursache eines Nierenversagens nach Auswertung der Blut-, Urin- und Ultraschallbefunde weiterhin unklar, so kann eine Biopsie der Niere nötig werden. Es handelt sich hierbei nicht um eine Operation. Der Patient liegt auf dem Bauch und der Arzt stellt eine der beiden Nieren vom Rücken aus mit dem Ultraschall dar. Danach betäubt er die Haut und das darunter liegende Gewebe mit einer sogenannten Lokalanästhesie. Die Niere selbst hat in ihrem Inneren keine Nerven und verursacht daher bei der Probenentnahme keine Schmerzen. Nun wird unter Ultraschallkontrolle mit einer dünnen Nadel eine kleine Probe aus der Niere entnommen. Die Prozedur selbst dauert nur wenige Minuten. Nach der Probenentnahme muss der Patient für mehrere Stunden Bettruhe einhalten. Die Probe wird nun an einen Pathologen weitergeleitet, der diese unter dem Mikroskop analysiert und dem Kliniker mitteilt, welche Nierenerkrankung vorliegt.

Akutes Nierenversagen – Behandlung

Die Behandlung eines akuten Nierenversagens hängt von der Ursache des Nierenversagens ab. Ist beispielsweise „nur“ der Abfluss des Urins aus der Blase behindert, so kann ein Katheter für erste Abhilfe sorgen. In der Mehrheit der Fälle wird Flüssigkeit in Form von Infusionen zugeführt. Bei einigen Nierenerkrankungen, die zu einem akuten Nierenversagen führen, sind aber auch spezifische Maßnahmen erforderlich.

Handelt es sich beispielsweise um eine Entzündung der Nierenkörperchen (sogenannte Glomerulonephritis), so kann eine künstliche Unterdrückung der Aktivität des Immunsystems (immunsuppressive Therapie) notwendig werden. Ist die Nierenfunktion sehr stark eingeschränkt, kann auch ein Nierenersatzverfahren, in der Regel eine Hämodialyse, notwendig werden. Wird die Ursache des akuten Nierenversagens erfolgreich behandelt, besteht die Chance, dass die Dialysetherapie im Verlauf wieder beendet werden kann.

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