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Medizinische Klinik III - Hämatologie / Onkologie

Akute Leukämien

Akute Leukämien sind bösartige (maligne) Erkrankungen des blutbildenden Systems und lassen sich in zwei Arten einteilen: die akute myeloische Leukämie (AML) und die akute lymphatische Leukämie (ALL).

Bei der AML ist das blutbildende System, das für die Bildung von Granulozyten, Monozyten, Erythrozyten und Megakaryozyten verantwortlich ist, betroffen. Bei der ALL entarten die Vorläuferzellen der Lymphozyten.

In beiden Fällen kommt es dabei in der Regel zu einer rasch fortschreitenden Verminderung der Knochenmarksfunktion, d.h. einer immer schwächer werdenden gesunden Blutbildung mit Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) sowie zu einem Mangel an gesunden, funktionsfähigen weißen Blutzellen.

Akute Leukämien – Symptome

Die Symptome bei allen akuten Leukosen ähneln sich und betreffen in erster Linie die Störung der gesunden Blutbildung: Die Patienten beklagen eine allgemeine Schwäche, einen Leistungsknick, Abgeschlagenheit (Anämie), mitunter eine Blutungsneigung durch einen Mangel an Blutplättchen sowie eine starke Abwehrschwäche durch relativen Mangel an funktionsfähigen weißen Blutzellen (Leukozyten und funktionsfähige Lymphozyten) mit schwer verlaufenden Infektionen. Mitunter tritt eine Vergrößerung von Leber und Milz auf sowie zeitweise auch eine Schwellung der Lymphknoten. In selteneren Fällen beklagen die Patienten Knochenschmerzen.

Akute Leukämien – Diagnose und medizinische Versorgung

Akute Leukosen sind insgesamt eine relativ seltene Erkrankung (3 Neuerkrankungen pro 100.000 im Jahr bei der akuten myeloischen Leukämie (AML), 1,5 Neuerkrankungen bei 100.000 im Jahr bezogen auf die akute lymphatische Leukämie (ALL)). Wogegen die AML überwiegend eine Erkrankung des höheren Lebensalters ist, zeigt die ALL einen Erkrankungsgipfel im Kindesalter, und macht im Erwachsenenalter nur etwa 15 % aller akuten Leukämien aus. Für sämtliche akute Leukämien werden im Wesentlichen erworbene genetische Veränderungen verantwortlich gemacht, die im Laufe des Lebens in der lymphatischen oder myeloischen Vorläuferzelle auftreten, aber weder vererbt, noch vererbbar sind, da die Keimbahnzellen (Eizellen, Spermien) nicht betroffen sind.

Es gibt für akute Leukämien keine speziellen Früherkennungs-Untersuchungen. In den meisten Fällen wird die Erkrankung zufällig entdeckt, wenn Betroffene aufgrund unspezifischer Beschwerden zum Arzt gehen.

Risikofaktoren
Die AML kann durch die folgenden Risikofaktoren ausgelöst werden: ionisierende Strahlung, eine langjährige chronische Belastung mit bestimmten Chemikalien oder Chemotherapeutika sowie in seltenen Fällen auch mögliche infektiöse Ursachen, z.B. durch Viren.

Ursachen
Die Ursachen der ALL sind weitgehend unbekannt. In den meisten Fällen bleibt unklar, warum genetische Veränderungen auftreten und warum sie zur Erkrankung führen können. Nach heutigem Wissen müssen verschiedene Faktoren zusammenwirken, bevor eine ALL entsteht. Bekannt ist, dass mit bestimmten ererbten oder erworbenen Immundefekten oder mit bestimmten Chromosomen‎veränderungen ein deutlich erhöhtes Risiko einhergeht, an einer ALL zu erkranken. Auch radioaktive Strahlen‎ und Röntgenstrahlen‎, bestimmte chemische Substanzen und Medikamente sowie Viren‎ können bei der Entstehung einer ALL eine Rolle spielen.

Akute Leukämien – Behandlungsverfahren

Wie beschrieben, handelt es sich bei den akuten Leukämien um eine relativ seltene, aber zuweilen sehr aggressive Erkrankungsform. Mit der Erkenntnis unterschiedlicher, die Prognose beeinflussender genetischer Faktoren hat sich die Therapie in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Sowohl die Untersuchung auf Risikofaktoren als auch die sich daraus abgeleiteten Therapiestrategien sind mittlerweile standardisiert.

Standardmäßige Untersuchungen
Die standardmäßigen Untersuchungen erfolgen nach einer Knochenmarkspunktion, die in örtlicher Betäubung an den entnommenen Leukämiezellen durchgeführt wird. Dazu gehören eine genaue Analyse der Oberflächenmoleküle auf den Leukämiezellen (Immunphänotypisierung) sowie eine ausführliche Untersuchung auf strukturelle oder zahlenmäßige Veränderungen der Chromosomen in den Leukämiezellen. Diese Untersuchungen lassen wir in entsprechenden Referenzlaboratorien durchführen. Wenn das jeweilige Risikoprofil eines Patienten bestimmt wurde, erfolgt ein ausführliches Gespräch über eine auf den Patienten zugeschnittene Therapiestrategie. Diese erfolgt in Zusammenarbeit mit bestimmten Studiengruppen für erwachsene Patienten (German multicenter ALL study group und AMLSG).

Induktionstherapie

Grundlage der Therapie der akuten Leukämien ist eine intensive Chemotherapie. Diese sogenannte Induktionstherapie hat zunächst das Ziel einer kompletten Remission, d.h. einer Beseitigung aller Krankheitssymptome mit Normalisierung des Blutbildes und Beseitigung der krankheitsauslösenden Zellgruppe im Knochenmark. Diese Therapie ist äußerst komplex und beinhaltet je nach genetischer Veränderung mitunter sehr spezifische Substanzen. Die Gesamttherapiedauer umfasst mehrere Monate. Je nach Risikoprofil und Verlauf umfasst die Therapie nach Erreichen einer kompletten Remission eine Sicherheitstherapiephase (Konsolidierungstherapie) oder auch die allogene (Spender und Empfänger sind unterschiedliche Personen) oder autologe (Spender und Empfänger sind dieselbe Person) Stammzelltransplantation.

Mit der Induktionstherapie gelingt es, bei den meisten der Patienten mit AML eine komplette Rückbildung der Erkrankung zu erreichen. Bei älteren Patienten sind die Therapieergebnisse deutlich schlechter. Ursachen für diese schlechtere Prognose sind unter anderem die erhöhte Toxizität einiger Medikamente. Auch stellt eine Komorbidität bei älteren Menschen häufig ein Hindernis für eine intensive Therapie dar. Allerdings konnten durch zunehmenden Einschluss der Patienten in große Therapiestudien im letzten Jahr deutlich verbesserte Therapieergebnisse erzielt werden.

Therapieziel
Wichtig für das Therapieergebnis sind nicht nur das Erreichen einer kompletten Remission, sondern auch die frühzeitige Diagnose und Therapie von mitunter schweren Infektionen, die während der mehrmonatigen Therapiephase auftreten können.

Kooperationen
In Bezug auf eine mögliche allogene Knochenmarktransplantation kooperieren wir eng mit dem Universitätsklinikum Essen, Klinik für KMT (Direktor: Prof. Dr. Beelen). Insgesamt bieten wir unseren Patienten Diagnostik und Therapie auf dem neuesten Stand in Kooperation mit namhaften deutschen Studiengruppen sowie die erforderliche psychologische Begleitung.

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