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10.10.2026

Großschadenslage geprobt: Herner Einsatzkräfte trainieren gemeinsam für den Ernstfall

Medizinstudierende und Rettungskräfte trainieren gemeinsam die Versorgung von Verletzten.

Ein Chemieunfall mit 25 Verletzten war das Szenario einer gemeinsamen MANV-Übung (Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten) auf dem Gelände des Chemiewerks der INEOS-Gruppe in Herne. Feuerwehr, Rettungsdienst und Medizinstudierende der Ruhr-Universität Bochum trainierten dabei die Abläufe bei einer komplexen Einsatzlage – von der ersten Versorgung bis zur Koordination der Rettungsmaßnahmen.

Wenn viele Menschen gleichzeitig verletzt werden, kommt es nicht nur auf medizinisches Wissen an. Entscheidend sind auch eingespielte Abläufe, eine klare Kommunikation und die Zusammenarbeit verschiedener Einsatzkräfte. Genau diese Fähigkeiten standen im Mittelpunkt der MANV-Übung: Dabei wurde der gesamte Ablauf von der ersten Lageeinschätzung über die Versorgung der Verletzten vor Ort bis zum Transport in medizinische Einrichtungen simuliert. „Bei größeren Schadenslagen müssen viele Beteiligte innerhalb kürzester Zeit zusammenarbeiten. Übungen wie diese helfen dabei, Zuständigkeiten, Kommunikationswege und Abläufe regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln“, erklärt Benjamin Grunau, Teamleiter Einsatzplanung Feuerwehr Herne. „Nur wenn die Zusammenarbeit regelmäßig geübt wird, können die Abläufe im Ernstfall sicher funktionieren.“ Dies bestätigt auch Alexander Galonska, Site Manager Herne, Ineos Solvents: „Auch für uns bietet die Übung eine sehr gute Möglichkeit mit unsere Werksfeuerwehr, der Feuerwehr und den Rettungskräften die Zusammenarbeit zu trainieren.“

Realitätsnahe Vorbereitung auf besondere Einsatzlagen

Kurz nach Beginn der Übung wurden die Einsatzkräfte mit dem simulierten Chemieunfall konfrontiert. Nach der ersten Erkundung der Lage übernahmen Feuerwehr und Rettungsdienst die Koordination der Einsatzmaßnahmen vor Ort. Zunächst galt es, die Gefahrenstelle abzusichern, die Situation einzuschätzen und einen Überblick über die Anzahl der verletzten Personen sowie die Schwere der Verletzungen zu gewinnen.

Eine besondere Herausforderung bei einem Massenanfall von Verletzten ist die sogenannte Sichtung. Dabei werden Betroffene nach der Dringlichkeit ihrer medizinischen Versorgung eingestuft, damit besonders schwer verletzte Personen zuerst behandelt werden können. Diese Aufgabe übernahmen die Rettungskräfte gemeinsam mit den Medizinstudierenden, die als Notärzte vor Ort eingesetzt waren. Anschließend wurden die Verletzten entsprechend ihrer Priorität versorgt und für den weiteren Transport vorbereitet.

Medizinstudierende auf den Ernstfall vorbereitet

Neben erfahrenen Einsatzkräften waren auch Medizinstudierende der Ruhr-Universität Bochum beteiligt. Sie konnten so wertvolle Erfahrungen in der Versorgung einer größeren Anzahl von Verletzten sammeln. Experten der St. Elisabeth Gruppe hatten die Studierenden im Vorfeld gezielt auf die Übung vorbereitet: Im Rahmen der einwöchigen „Sommerakademie Notfallmedizin 2026“ erhielten sie Einblicke in die Grundlagen der Notfallmedizin und trainierten in kleineren Übungsszenarien bereits praktische Fähigkeiten unter möglichst realistischen Bedingungen – zum Beispiel in einem Rettungswagen. Teilnehmen konnten Studierende aus verschiedenen klinischen Semestern. 

Die Übung auf dem Gelände des Chemiewerks bildete gleichzeitig auch den Abschluss der diesjährigen Sommerakademie. „Eine solche Übung bietet Studierenden die Möglichkeit, medizinische Entscheidungen in einer komplexen Einsatzsituation zu erleben und gleichzeitig die Bedeutung der Teamarbeit in der Notfallversorgung kennenzulernen. Gerade die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen ist ein zentraler Bestandteil der Notfallmedizin“, berichtet Dr. Jan Wischermann, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin des Marien Hospital Herne, der gemeinsam mit seinem Team die „Sommerakademie Notfallmedizin“ jedes Jahr organisiert und betreut.

Gemeinsam lernen und Abläufe verbessern

Nach Abschluss der Übung erfolgt die gemeinsame Auswertung der Abläufe. Dabei werden Erfahrungen gesammelt, Verbesserungspotenziale herausgearbeitet und Erkenntnisse für zukünftige Einsatzsituationen gewonnen. Die MANV-Übung zeigte damit auch in diesem Jahr, dass regelmäßiges Training Sicherheit schafft für Einsatzkräfte, medizinisches Personal und alle Beteiligten, die im Ernstfall gemeinsam handeln müssen.

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